Der Dodekanes liegt als lange Inselkette vor der türkischen Küste und kam erst mit dem Pariser Friedensvertrag von 1947 zu Griechenland. Länger als anderswo prägten hier Johanniter, Osmanen und Italiener das Bild, deshalb hat die Bauweise mit den weißen Würfelhäusern der Kykladen wenig zu tun: Ritterburgen, Moscheen, Klosterfestungen und italienische Verwaltungsbauten.Die Gruppe reicht von Rhodos, der mit Abstand größten und belebtesten Insel, bis zu Eilanden mit wenigen hundert Bewohnern. Wer kommt, findet Badeorte, antike Stätten und stille Hafendörfer oft nur eine Fährstunde voneinander entfernt.
Die Inseln liegen in der südöstlichen Ägäis, von Patmos im Norden bis Kasos im Süden. Rhodos und Kos sind die Drehkreuze mit internationalen Flughäfen, großen Häfen und dem dichtesten Angebot an Unterkünften. Auf Rhodos steht die mittelalterliche Altstadt (UNESCO-Welterbe), auf Kos das Asklepieion.Im Norden der Kette liegen Patmos mit dem Johanneskloster, Leros mit seiner italienischen Architektur und Kalymnos, bekannt für die Schwammtaucherei. Symi ist von Rhodos aus als Tagesausflug erreichbar, Karpathos liegt abseits zwischen Rhodos und Kreta. Frühling und Herbst sind ruhiger als die Hochsaison im Juli und August, viele kleinere Unterkünfte öffnen erst ab Ostern.
Kos ist die drittgrößte Insel des Dodekanes und liegt nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste bei Bodrum. In der Inselhauptstadt stehen antike Ausgrabungen, eine Johanniterburg und italienische Bauten aus den 1930er Jahren dicht beieinander.
Karpathos liegt zwischen Kreta und Rhodos weit abseits der üblichen Fährrouten und hat deshalb behalten, was anderswo verschwunden ist: ein Bergdorf, in dem ältere Frauen im Alltag Tracht tragen und ein eigener Dialekt gesprochen wird.
Leros ist eine Insel, deren Hauptfährhafen vom italienischen Rationalismus geprägt ist: Lakki, damals Portolago, entstand in den dreißiger Jahren als Planstadt für den Marinestützpunkt, mit Rundbögen, Arkaden und breiten Achsen.
Patmos liegt im Norden des Dodekanes und ist seit fast tausend Jahren Klosterinsel: Der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos überließ sie 1088 dem Mönch Christodoulos, und das Kloster prägt bis heute Bebauung, Landbesitz und Tagesrhythmus.
Die Altstadt von Rhodos-Stadt ist eine der am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Europas und seit 1988 UNESCO-Welterbe. Geprägt haben sie die Johanniterritter, die die Insel von 1309 bis 1522 beherrschten, später kamen Moscheen und Bäder der Osmanen hinzu. Hinter einem rund vier Kilometer langen Mauerring liegen der Großmeisterpalast, die Ritterstraße und ein Gewirr aus Gassen. Vor den Mauern liegen die Neustadt mit italienischen Bauten aus den 1920er- und 1930er-Jahren und der Hafen Mandraki. Geh am frühen Morgen oder späten Nachmittag durch die Altstadt, mittags ist sie voll mit Tagesgästen.
Symi liegt nördlich von Rhodos nah an der türkischen Küste und ist bekannt für seinen Hafenort Gialos, dessen neoklassizistische Häuser in Ocker, Rosa und Blau sich die Hänge hinaufziehen. Restaurierungen unterliegen den Vorgaben des staatlichen Archäologischen Dienstes, deshalb wirkt das Ortsbild bis heute geschlossen.Bezahlt wurde die Stadt mit Schwammtaucherei und Schiffbau, die die Insel im 19. Jahrhundert reich machten und auf mehr als 20000 Einwohner anwachsen ließen. Heute leben hier rund 2600 Menschen. Tagsüber kommen viele Ausflugsboote aus Rhodos, abends wird es deutlich ruhiger.
Lindos liegt an der Ostküste von Rhodos, rund 40 Kilometer südlich der Inselhauptstadt, unterhalb eines Felsens mit antiker Akropolis und Johanniterburg. Weiße Häuser, Kieselmosaike in den Höfen und enge Gassen prägen den Ort, dessen Zentrum für Fahrzeuge gesperrt ist. Unterhalb liegen der Hauptstrand und die kleine Paulusbucht.
Sehenswürdigkeiten in Dodekanes
Entdecke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Mittelalterliche Stadt von Rhodos (Altstadt)
Die Altstadt von Rhodos ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Europas und seit 1988 UNESCO-Welterbe. Der Mauerring der Johanniter misst rund vier Kilometer und ist an mehreren Abschnitten begehbar. Innerhalb der Mauern überlagern sich Ritterordensbauten, osmanische Moscheen und Wohnhäuser aus allen Epochen. Die Altstadt ist bis heute bewohnt.
Der Palast am oberen Ende der Ritterstraße war Sitz des Großmeisters des Johanniterordens und später osmanisches Gefängnis. Nach einer Explosion 1856 blieb er Ruine, bis ihn die italienische Verwaltung in den dreißiger Jahren als Residenz für Mussolini wieder aufbaute. Im Inneren liegen spätantike Mosaike, die von der Insel Kos hierher gebracht wurden. Der Rundgang führt durch etwa zwei Dutzend Säle.
Das Museum sitzt im Ritterhospital von 1489, einem zweigeschossigen Bau mit Innenhof und gewölbtem Krankensaal. Gezeigt werden Funde aus den antiken Städten der Insel, darunter die kniende Aphrodite von Rhodos und Grabstelen aus Kamiros und Ialysos. Der Skulpturengarten im Hof ist Teil des Rundgangs. Es liegt an der Ritterstraße, wenige Schritte vom Großmeisterpalast.
Auf der Mole des Hafens Mandraki stehen drei steinerne Windmühlen, mit denen früher Getreide gemahlen wurde. Am Ende der Mole steht die Festung Agios Nikolaos, an der Hafeneinfahrt markieren zwei Säulen mit Hirschfiguren die Stelle, an der der Legende nach der Koloss von Rhodos stand. Der Weg auf die Mole ist frei zugänglich.
Auf einem 116 Meter hohen Felsen über dem Ort Lindos liegen der Athena-Tempel aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., eine hellenistische Säulenhalle und darüber eine Burg der Johanniter. In den Fels unterhalb des Aufgangs ist das Relief eines antiken Kriegsschiffs geschlagen. Der Aufstieg führt über Treppen ohne Schatten. Von oben blickst du auf die Bucht des Apostels Paulus.
Die Klosterburg von 1088 über der Chora von Patmos wirkt von außen wie eine Festung, was sie gegen Piraten auch war. Im Inneren liegen ein Innenhof mit Fresken, eine Schatzkammer und eine Bibliothek mit byzantinischen Handschriften. Zusammen mit der Höhle der Apokalypse und der Chora steht die Anlage seit 1999 auf der UNESCO-Welterbeliste. Schultern und Knie müssen bedeckt sein.
Die Taverne liegt in Masouri an der Westküste von Kalymnos, mit Blick hinüber zur Insel Telendos. Der Schwerpunkt liegt auf frischem Fisch und Meeresfrüchten.
Die Taverne steht am Ufer der fast geschlossenen Bucht von Vathi im Nordosten von Astypalea, von der Terrasse blickst du über das Wasser. Auf den Tisch kommen Tintenfisch in eigener Tinte und Oktopus-Eintopf.
Die Nähe zur kleinasiatischen Küste ist auf dem Teller zu schmecken: mehr Gewürz, mehr Teiggebäck und Rezepte, die Flüchtlinge nach 1922 mitbrachten.
Garnelen von Symi
Die winzigen Symi-Garnelen werden komplett frittiert und mit Schale gegessen, dazu gibt es nur Zitrone. Sie stammen aus dem tiefen Wasser rund um die Insel und werden nirgendwo sonst so zubereitet. In den Tavernen am Hafen von Gialos stehen sie als Vorspeise auf jeder Karte.
Makarounes
Handgerollte Nudeln aus Karpathos, serviert mit gerösteten Zwiebeln und lokalem Frischkäse. Der Teig besteht nur aus Mehl, Wasser und Salz und wird um einen Stab gedreht. In Olympos und Diafani kochen die Tavernen sie nach Familienrezept.
Mermizeli
Der Bauernsalat von Leros und Kalymnos wird auf eingeweichtem Zwieback angerichtet, mit Tomate, Zwiebel, Kapern und dem lokalen Frischkäse Myzithra. Er war ursprünglich das Essen der Schwammtaucher an Bord. Als Mittagsgericht bekommst du ihn in fast jeder Taverne der beiden Inseln.
Pitaridia und Teiggebäck
Auf Kos und Kalymnos werden Teigblätter in Brühe gegart und mit Käse gereicht, ein Gericht, das an die osmanische Küche anschließt. Dazu kommen gefüllte Teigtaschen mit Kräutern oder Kürbis. In den Bäckereien der Dörfer gibt es sie morgens frisch.
Souma und lokale Weine
Auf Rhodos und Symi wird Souma gebrannt, ein klarer Tresterschnaps, der traditionell nur in wenigen Wochen nach der Lese hergestellt werden darf. Rhodos hat zudem einen eigenen Weinbau um den Berg Attavyros mit der weißen Athiri-Traube. Beides bekommst du direkt bei den Erzeugern im Inselinneren.
Kultur, Kunst & Geschichte des Dodekanes
Ritter, Osmanen, Italiener1309 übernahm der Johanniterorden Rhodos und baute die Stadt zur Festung aus, 1522 eroberten die Osmanen die Insel. 1912 besetzte Italien die Inselgruppe und verwaltete sie bis zum Zweiten Weltkrieg. 1947 wurde der Dodekanes im Pariser Friedensvertrag Griechenland zugesprochen. Jede dieser Epochen hat sichtbare Spuren hinterlassen.Bauten der EpochenAuf Rhodos steht die Altstadt mit Mauerring, Ritterstraße und Großmeisterpalast, seit 1988 UNESCO-Welterbe, dazwischen Moscheen und ein Hamam aus osmanischer Zeit. Aus der italienischen Phase stammen die Verwaltungsbauten am Hafen Mandraki und die rationalistische Planstadt Lakki auf Leros. Auf Patmos bilden Johanneskloster, Höhle der Apokalypse und Chora ein weiteres Welterbe.InselalltagDas religiöse Leben folgt dem orthodoxen Kalender, Kirchweihfeste (Panigiria) zu Ehren der Ortsheiligen werden mit Musik und gemeinsamem Essen gefeiert. Auf Kalymnos und Symi ist die Geschichte der Schwammtaucherei präsent, auf Karpathos hat sich im Bergdorf Olymbos eine eigene Tracht und Mundart gehalten.
Zwischen den Inseln unterwegs
Die Kette von Nord nach SüdDer Dodekanes zieht sich über rund 200 Kilometer entlang der türkischen Küste, deshalb funktioniert er anders als die kompakten Kykladen. Die Hauptlinie führt von Piräus über Patmos, Leros, Kalymnos und Kos nach Rhodos und braucht in der langsamen Variante eine ganze Nacht plus Tag. Zwischen den Inseln fahren im Sommer zusätzlich Katamarane und kleine Lokalfähren, die auch Nisyros, Tilos, Symi und Chalki anbinden. Symi hängt an Rhodos, Karpathos dagegen liegt abseits der Hauptachse und wird nur wenige Male pro Woche angefahren.Flughäfen und WetterRhodos und Kos haben große Flughäfen mit Direktverbindungen aus Mitteleuropa, kleinere liegen auf Karpathos, Leros, Kalymnos, Kasos und Astypalea und werden ab Athen oder Rhodos bedient. Wer eine abgelegene Insel ansteuert, plant den Umstieg lieber über den Flug als über die Fähre. Der Meltemi weht von Juli bis September aus Nord und trifft die kleinen Schiffe zuerst; Karpathos und Kasos fallen dann am ehesten aus dem Fahrplan. Auf den Inseln selbst fährt KTEL die größeren Orte an, auf Rhodos und Kos dicht, auf den kleinen Inseln nur wenige Male am Tag.