Die Kykladen sind eine Gruppe von rund 220 Inseln und Eilanden in der zentralen Ägäis, bewohnt ist nur ein kleiner Teil davon. Weiß gekalkte Dörfer, kahle Hügel und ein dichtes Fährnetz prägen die Region, die vom Nachtleben auf Mykonos bis zum stillen Bergdorf auf Amorgos sehr unterschiedliche Inseln vereint.Wer mehr als eine Insel sehen will, plant die Route entlang der Fährlinien, nicht entlang der Landkarte. Zwei oder drei Inseln auf einer Achse sind in einer Woche gut machbar.
Die Inseln liegen grob im Kreis um Delos, daher der Name (griechisch kyklos, Kreis). Man unterscheidet eine westliche Kette mit Kythnos, Serifos, Sifnos, Milos und Folegandros und eine östliche mit Syros, Mykonos, Paros, Naxos, Ios und Santorini, dazu die Kleinen Kykladen um Koufonisia und Amorgos im Südosten.Santorini und Mykonos sind die bekanntesten und vollsten Inseln, Naxos ist die größte, Syros mit Ermoupoli das Verwaltungszentrum. Delos ist unbewohnt und als Ausgrabungsstätte UNESCO-Welterbe. Später Frühling und Frühherbst sind angenehmer als der Hochsommer, im Juli und August kann der Meltemi die Fährpläne durcheinanderbringen.
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Milos
Milos ist eine Vulkaninsel im Westen der Kykladen: Eine große, tief eingeschnittene Bucht bildet den Naturhafen, und die Küste wechselt auf wenigen Kilometern von weißem Tuff zu rotem und schwarzem Gestein.
Mykonos ist eine kleine, karge Kykladeninsel zwischen Tinos und Naxos. Der Hauptort Chora ist ein Gewirr aus weißen Würfelhäusern und engen Gassen, am Wasser liegen die Balkonhäuser von Klein-Venedig und darüber die Windmühlen von Kato Mili.
Naxos ist mit rund 430 Quadratkilometern die größte Insel der Kykladen und eine der fruchtbarsten. Im Westen liegen lange Sandstrände wie Agios Prokopios und Plaka, im Inneren Berge, Olivenhaine und Dörfer aus Marmor und Stein.
Paros liegt im Zentrum der Kykladen und ist ein wichtiger Knoten im Fährnetz, was der Insel viel Durchgangsverkehr und eine gute Anbindung beschert. Aus ihren Stollen kam der parische Marmor, den antike Bildhauer wie Praxiteles verwendeten.
Santorini, offiziell Thira, ist der Rest eines Vulkans im Süden der Kykladen. Die Insel umschließt halbmondförmig eine überflutete Caldera, deren heutige Form der große Ausbruch in der Bronzezeit mitgeprägt hat. Auf der Kante der bis zu rund 300 Meter hohen Steilwand liegen die Orte Fira, Imerovigli und Oia. Die Asche dieses Ausbruchs begrub die Siedlung Akrotiri, die heute ausgegraben unter einem Schutzdach liegt. Die Insel ist im Sommer sehr voll, reise wenn möglich im April, Mai oder Oktober.
Syros liegt in der Mitte der Kykladen und lebt anders als viele Nachbarinseln nicht vor allem vom Tourismus. Der Hauptort Ermoupoli ist Hauptstadt der Kykladen und der Region Südliche Ägäis. Im 19. Jahrhundert war er der wichtigste Handels- und Industriehafen Griechenlands, bis Piräus ihn überholte, und die Stadt hat den Neoklassizismus dieser Zeit bewahrt.Statt weißer Würfelhäuser stehen hier Marmorplätze, ein Opernhaus und Reedervillen. Dazu kommt mit Ano Syros eine katholische Oberstadt aus venezianischer Zeit. Wer eine Kykladenstadt mit ganzjährigem Alltag sucht, ist hier richtig.
Sehenswürdigkeiten in Kykladen
Entdecke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Delos
Die unbewohnte Insel Delos galt in der Antike als Geburtsort von Apollon und Artemis und war Sitz des Attischen Seebunds. Erhalten sind Tempelbezirke, die Löwenterrasse, ein Theater und ganze Wohnviertel mit Mosaikböden. Die gesamte Insel steht seit 1990 auf der UNESCO-Welterbeliste. Tagesboote fahren von Mykonos, seltener von Naxos und Paros; Übernachten ist nicht erlaubt.
Das marmorne Torgerüst auf der Halbinsel Palatia vor Naxos-Stadt stammt von einem nie vollendeten Apollon-Tempel, dessen Bau um 530 v. Chr. unter dem Tyrannen Lygdamis begann. Das Tor besteht aus wenigen riesigen Marmorblöcken und ist das Wahrzeichen der Insel. Ein kurzer Damm verbindet die Halbinsel mit dem Hafen, der Weg ist jederzeit frei begehbar.
An der Nordküste von Milos hat der Wind weißes Vulkangestein zu einer glatten, gratigen Fläche geschliffen, die ohne Vegetation auskommt. Eine schmale Bucht schneidet ins Gestein und dient als Badestelle. Schatten gibt es keinen, deshalb lohnen früher Morgen oder später Nachmittag. Der Parkplatz liegt an der Straße von Adamas nach Pollonia.
Die Reihe der Kato Mili über der Chora von Mykonos gehört zu den meistfotografierten Motiven der Kykladen. Die runden Mühlen mit Strohdach mahlten bis ins 20. Jahrhundert Getreide für die Schiffe, die im Hafen zwischenstoppten. Vom Hügel aus blickst du auf Klein-Venedig und den Sonnenuntergang. Der Andrang ist am Abend am größten.
Die Kirche im Zentrum von Parikia auf Paros geht der Überlieferung nach auf eine Stiftung der heiligen Helena im 4. Jahrhundert zurück, der heutige Bau wird mit Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert verbunden. Der Name wird meist als Kirche der hundert Tore gedeutet. Zum Komplex gehört ein Baptisterium mit kreuzförmigem Taufbecken. Schultern und Knie sollten bedeckt sein.
Das mittelalterliche Kastro war bis ins 19. Jahrhundert Hauptort von Sifnos und ist als geschlossener Ring aus Wohnhäusern gebaut, deren Außenwände die Festungsmauer bilden. In den Gassen stehen antike Spolien und venezianische Wappen. Unterhalb liegt die Kapelle Epta Martyres auf einem Felsvorsprung im Meer. Von Apollonia führt ein alter Eselspfad hierher.
Die Fischtaverne am kleinen Hafen von Cheronissos im Norden von Sifnos wurde 1973 von Konstantinos und Margarita Fyssa eröffnet und wird heute von ihrem Sohn geführt. Auf den Tisch kommen Tsiros, Marida, Kichererbsenbällchen, Spinatpita und Oktopus.
Die Taverne liegt direkt am Wasser in der Bucht unterhalb von Isternia an der Westküste von Tinos. Mitinhaberin Antonia Zarpa gehört zu den Gründerinnen der Initiative Tinos Food Paths, gekocht wird mit Produkten der Insel.
Die Taverne liegt in der Bucht Giannaki an der Südwestküste von Tinos, unterhalb des Dorfs Kardiani. Auf der Karte stehen Kakavia, die Fischsuppe der Fischer, Oktopus mit Augenbohnen und Spaghetti mit Garnelen.
Die kykladische Küche ist Inselküche: wenig Fleisch, viel Hülsenfrucht, Ziegenkäse und was der Tag an Fisch hergibt. Jede Insel hält an eigenen Spezialitäten fest.
Revithada
Kichererbseneintopf aus Sifnos, über Nacht im tonernen Skepastaria im Holzofen gegart. Traditionell ist es das Sonntagsgericht, weil der Topf am Samstagabend in den Gemeinschaftsofen kam. Serviert wird er schlicht mit Zitrone und Olivenöl. Auf Sifnos steht er in fast jeder Taverne auf der Karte.
Louza und lokale Würste
Auf Mykonos und Tinos wird Louza hergestellt, luftgetrocknetes Schweinelendenfleisch mit Pfeffer und Bohnenkraut, hauchdünn geschnitten. Dazu gehört meist Kopanisti, ein scharfer, gereifter Streichkäse. Beides bekommst du in den Delikatessenläden der Chora und als Meze in den Tavernen.
Frischer Fisch und Meeresfrüchte
In den Fischerdörfern wird nach Gewicht verkauft, der Preis pro Kilo steht auf der Karte. Günstiger als Dorade und Wolfsbarsch sind Gavros und Sardellen, die eingelegt oder frittiert kommen. Oktopus hängt vor vielen Tavernen zum Trocknen in der Sonne, bevor er auf den Grill kommt.
Ziegen- und Schafskäse
Naxos liefert mit Arseniko und Graviera die bekanntesten Hartkäse der Region, Santorini den weichen Chloro. Fast jede Insel hat eine eigene Molkerei, deren Produkte nur vor Ort verkauft werden. In den Dörfern findest du sie in kleinen Pantopoleia, den Gemischtwarenläden.
Lokale Getränke
Naxos brennt Kitron aus den Blättern des Zitronatbaums, in drei Stärken von grün bis klar. Santorini keltert aus der Rebsorte Assyrtiko trockene Weißweine, die durch den vulkanischen Boden salzig wirken. Tinos und Syros haben in den letzten Jahren kleine Brauereien bekommen.
Kulturelles Erbe der Kykladen
Frühe KykladenkulturZwischen etwa 3300 und 2000 v. Chr. entwickelte sich auf den Inseln die frühe Kykladenkultur, bekannt vor allem für ihre stark abstrahierten Marmorfiguren. Später folgten minoische und mykenische Einflüsse, in klassischer Zeit war Delos ein religiöses Zentrum der griechischen Welt.Venezianer, Osmanen, GriechenNach dem Vierten Kreuzzug gründete der Venezianer Marco Sanudo 1207 das Herzogtum Naxos, das viele Inseln über Jahrhunderte beherrschte. Aus dieser Zeit stammen die Kastro-Siedlungen, deren Hausrückseiten eine geschlossene Mauer bilden, und katholische Gemeinden etwa auf Syros und Tinos. Danach folgten die Osmanen, seit der Gründung des griechischen Staates im 19. Jahrhundert gehören die Kykladen zu Griechenland.Bauweise und FesteDie würfelförmigen, weiß gekalkten Häuser, engen Gassen und dicht gedrängten Dörfer sind eine Antwort auf Wind, Sonne und frühere Piratengefahr. Im Sommer feiern die Dörfer ihre Kirchweihfeste (Panigiria) mit Musik, Tanz und gemeinsamem Essen, das größte ist Mariä Himmelfahrt am 15. August.
Zwischen den Inseln unterwegs
Fähren als RückgratDie Kykladen hängen am Fährnetz ab Piräus, Rafina und Lavrio. Zwei Systeme laufen parallel: langsame Autofähren, die mehrere Inseln nacheinander anfahren, und Schnellfähren, die deutlich schneller, aber teurer und wetteranfälliger sind. Die westliche Linie bedient Kythnos, Serifos, Sifnos, Milos und Folegandros, die östliche Syros, Mykonos, Paros, Naxos und Santorini. Verbindungen quer zwischen beiden Achsen sind seltener, prüfe eine Insel-zu-Insel-Route deshalb vorab gegen die Fahrpläne.FliegenFlughäfen gibt es unter anderem auf Santorini, Mykonos, Naxos, Paros, Syros und Milos. Santorini und Mykonos haben im Sommer Direktflüge aus Mitteleuropa, die kleineren Flughäfen werden vor allem ab Athen angeflogen.Meltemi und InselverkehrIm Juli und August weht der Meltemi aus Nord, teils über mehrere Tage: Schnellfähren werden dann zuerst gestrichen, große Autofähren fahren meist weiter. Plane deshalb keinen Rückflug auf denselben Tag wie die letzte Überfahrt. Auf den größeren Inseln fährt KTEL die wichtigsten Orte an, alles andere erreichst du mit Mietwagen oder Roller. Im August solltest du Fahrzeuge früh buchen.