Die Peloponnes hängt am südlichen Ende des griechischen Festlands und ist seit dem Bau des Kanals von Korinth streng genommen eine Insel. Mykenische Burgen, das Heiligtum von Olympia, byzantinische Ruinenstädte und venezianische Seefestungen liegen hier dicht beieinander.Dazwischen steigen Bergketten auf über 2.400 Meter, der Taygetos erreicht 2.407 Meter. Die Küstenstraßen bleiben schmal und kurvig, wer die Halbinsel bereist, plant besser mit wenigen Standorten und Tagesausflügen.
Mit rund 21.500 Quadratkilometern ist die Peloponnes etwa so groß wie Hessen. Sie verteilt sich auf sieben Regionalbezirke: Korinthia und Argolis im Nordosten, Arkadien in der Mitte, Achaia und Elis im Westen, Messenien im Südwesten und Lakonien im Südosten. Verwaltungstechnisch gehören Achaia und Elis zur Region Westgriechenland, die übrigen fünf zur Region Peloponnes. Die Mautautobahn A7 führt von Korinth über Tripoli nach Kalamata und macht die Nord-Süd-Achse schnell, alles abseits davon sind Landstraßen über Pässe. Im Zentrum liegt das arkadische Hochland, nach Süden laufen die Gebirgszüge Taygetos und Parnon in die drei südlichen Halbinseln aus. Die Küsten unterscheiden sich deutlich: im Osten Fels und kleine Buchten, im Westen lange Sandstrände zwischen Kyllini und Pylos. Im Frühjahr blühen die Hänge und die archäologischen Stätten lassen sich bei angenehmen Temperaturen begehen, im Juli und August wird es im Landesinneren sehr heiß. September und Oktober eignen sich gut für eine Reise, danach schließen viele Küstenorte, und im Bergland um Kalavryta fällt im Winter Schnee.
Nafplio liegt an der Ostküste der Argolis am Argolischen Golf, rund 140 Kilometer südwestlich von Athen. Von 1823 bis 1834 war die Stadt die erste Hauptstadt des unabhängigen Griechenland, davor beherrschten Venezianer und Osmanen abwechselnd den Hafen.
Korinth liegt am Isthmus, der schmalsten Stelle zwischen Peloponnes und griechischem Festland, und kontrollierte damit über Jahrhunderte den Verkehr zwischen zwei Meeren.
Neapoli ist die Hafenstadt an der Südspitze der Malea-Halbinsel im Südosten Lakoniens. Die Stadt steht auf dem Boden des antiken Boiai, ihr heutiges Straßenraster stammt aus dem 19.
Antikes Epidauros bezeichnet zwei Orte, die zwölf Kilometer auseinanderliegen: das Küstendorf Palea Epidavros am Saronischen Golf und das Asklepieion im Landesinneren, seit 1988 UNESCO-Welterbe. Das Heiligtum war über Jahrhunderte die wichtigste Heilstätte der griechischen Welt. Erhalten ist vor allem das Theater aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., dessen Akustik bis heute ohne technische Verstärkung auskommt.
Antikes Olympia liegt in der Landschaft Elis im Westen der Peloponnes, dort wo der Kladeos in den Alpheios mündet. Von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. wurden hier alle vier Jahre die Olympischen Spiele zu Ehren des Zeus ausgetragen, fast zwölf Jahrhunderte lang. Vom Heiligtum sind Fundamente, umgestürzte Säulentrommeln und das Stadion erhalten, die Skulpturen stehen im Museum gegenüber.
Monemvasia liegt auf einem steilen Kalkfelsen vor der lakonischen Ostküste, der nur über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Der Name bedeutet einziger Zugang und beschreibt genau diese Lage, die den Ort seit seiner Gründung im 6. Jahrhundert schwer angreifbar machte.Hinter der Mauer stehen byzantinische Kirchen und Steinhäuser dicht beieinander, auf dem Plateau darüber liegt die verlassene Oberstadt mit der Kirche Agia Sofia. Der Ort ist autofrei und eignet sich für ein bis zwei ruhige Tage.
Mykene liegt auf einem Hügel am Nordrand der Argolischen Ebene, rund 25 Kilometer nördlich von Nafplio. Zwischen etwa 1350 und 1200 v. Chr. war die Burg das Zentrum einer Palastkultur, die einer ganzen Epoche ihren Namen gab. Heinrich Schliemann legte ab 1876 die Schachtgräber frei, seit 1999 gehört die Stätte gemeinsam mit Tiryns zum UNESCO-Welterbe.
Sehenswürdigkeiten in Peloponnes
Entdecke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Höhle von Kapsia
Die Tropfsteinhöhle liegt am Rand der Hochebene von Mantineia, rund 15 Kilometer nördlich von Tripoli. Entdeckt wurde sie 1887 von dem französischen Archäologen Gustave Fougères, der damals das antike Mantineia ausgrub, 1974 erkundeten griechische und französische Speläologen weitere Teile. Der Rundgang führt auf einem gut 300 Meter langen Weg durch Hallen mit farbigen Tropfsteinen, die Führung dauert etwa eine Stunde. Für Besucher geöffnet ist die Höhle seit 2010.
Die Kirche steht in der Ebene von Mantineia nördlich von Tripoli, in der Nähe der Ruinen der antiken Stadt. Entworfen hat sie der Architekt, Maler und Ikonenmaler Kostas Papatheodorou, der Bau begann um 1970 und dauerte knapp drei Jahre, geweiht wurde sie 1978. Papatheodorou verband Formen antiker Tempel mit byzantinischer Kirchenarchitektur, mit geschwungenen Flächen und ungewöhnlichen Winkeln. Die Mosaike im Inneren mischen christliche und mythologische Motive, darunter Perseus, Ariadne und Medusa.
Der Areos-Platz ist der zentrale Platz von Tripoli, der Hauptstadt Arkadiens, und gehört zu den größten Plätzen Griechenlands. Auf ihm steht das Reiterstandbild von Theodoros Kolokotronis, dem Heerführer des Unabhängigkeitskriegs, geschaffen vom Bildhauer Fanis Sakellariou. Dazu kommen Statuen weiterer Kämpfer der Revolution von 1821. An der Nordseite des Gerichtsgebäudes erinnern Denkmäler an die Richter Anastasios Polyzoidis und Georgios Tertsetis, die sich 1834 weigerten, Kolokotronis zum Tod zu verurteilen.
Am Nordhang des Taygetos oberhalb von Sparta liegt die Ruinenstadt Mystras, seit 1989 UNESCO-Welterbe. Gegründet wurde sie 1249 als fränkische Burg, ab 1262 war sie byzantinisch und wurde im 14. und 15. Jahrhundert zur Hauptstadt des Despotats Morea, dem letzten Machtzentrum von Byzanz vor dem Fall Konstantinopels. Erhalten sind der Palast der Palaiologen, mehrere Klosterkirchen mit Fresken aus spätbyzantinischer Zeit und die Wehrmauern der Oberstadt. Das Gelände ist steil und hat zwei Eingänge, oben an der Burg und unten am Dorf; wer bergab gehen will, startet oben. Für den kompletten Rundgang brauchst du drei bis vier Stunden, Schatten gibt es kaum.
Die Stadt Messene am Fuß des Berges Ithomi wurde 369 v. Chr. gegründet, nachdem der thebanische Feldherr Epaminondas Sparta besiegt und die Messenier aus der Abhängigkeit entlassen hatte. Weil der Ort danach kaum überbaut wurde, ist der antike Stadtplan ungewöhnlich vollständig erhalten: Stadion mit umlaufender Säulenhalle, Theater, Asklepieion, Agora und ein neun Kilometer langer Mauerring mit dem doppelt gesicherten Arkadischen Tor. Die Ausgrabungen laufen seit den 1980er Jahren und legen bis heute neue Bereiche frei. Das moderne Dorf Mavrommati liegt direkt oberhalb und bietet Blick über das gesamte Gelände. Von Kalamata sind es rund 30 Kilometer, der Besuch dauert etwa zwei Stunden.
Die Mani ist der mittlere der drei südlichen Finger der Peloponnes, eine karge Kalklandschaft zwischen Taygetos und Meer. Weil weder Osmanen noch Venezianer die Region dauerhaft kontrollierten, regelten die Clans ihre Angelegenheiten selbst, oft über Blutfehden, und bauten dafür die charakteristischen mehrstöckigen Wehrtürme aus Bruchstein. In Areopoli, dem Hauptort der Inneren Mani, rief Petros Mavromichalis am 17. März 1821 den Aufstand gegen die Osmanen aus. Weiter südlich stehen in Vathia die Türme dicht beieinander, viele davon Ruinen. Die Küstenstraße bis zum Kap Tenaro ist kurvig und die Orte unterwegs sind klein, plane einen ganzen Tag.
Ο μπακαλόγατος της Ελένης ist eine Taverne am Knotenpunkt Nestani in der Ebene von Mantineia, nördlich von Tripoli. Die Küche ist griechisch mit Schwerpunkt auf Fleisch vom Grill. Die Lage an der Autobahnausfahrt macht sie zu einem praktischen Halt auf dem Weg durch Arkadien.
Die Ερατεινή ist eine traditionelle Taverne an der Straße von Tripoli nach Artemisio in der Gemeinde Nestani, in der Nähe der Kirche Agia Fotini von Mantineia. Auf den Tisch kommt arkadische Landküche.
Die Küche der Halbinsel lebt von Olivenöl, Bergkräutern und Gemüse aus dem eigenen Garten. Fisch bleibt Küstensache, im Landesinneren dominieren Lamm, Ziege und Hülsenfrüchte. Dazu kommen zwei Weinregionen mit eigenem Profil.
Kalamata-Oliven und Olivenöl
Die mandelförmige, dunkelviolette Kalamata-Olive stammt aus Messenien und trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Eingelegt wird sie in Salzlake und Essig, was ihr den kräftig fruchtigen Geschmack gibt. Aus derselben Region kommt ein Großteil des griechischen Olivenöls, oft aus der Sorte Koroneiki. In den Dörfern um Kalamata verkaufen Kooperativen direkt ab Mühle.
Sfela
Sfela ist ein halbharter Salzlakenkäse aus Schafs- und Ziegenmilch, der ausschließlich in Messenien und Lakonien hergestellt wird und seit 1996 geschützt ist. Er reift in großen Streifen, daher der Name, der sich vom griechischen Wort für Band ableitet. Der Geschmack ist salzig und pikant, deutlich schärfer als Feta. Gebraten als Saganaki oder pur zu Brot und Oliven.
Diples
Dünn ausgerollter Teig wird in heißem Öl zu Rollen oder Schleifen gedreht, danach mit Honig und Walnüssen überzogen. Diples gehören auf der Peloponnes zu Hochzeiten und Weihnachten, sind aber in Konditoreien das ganze Jahr zu bekommen. In Messenien sind sie eher fest gerollt, in Lakonien flacher. Frisch gemacht schmecken sie deutlich besser als abgepackt.
Moschofilero aus Mantineia
Auf dem arkadischen Hochplateau um Mantineia auf rund 650 Metern wächst die rosaschalige Traube Moschofilero. Sie ergibt einen hellen, säurebetonten Weißwein mit Rosen- und Zitrusnoten, der kühl serviert gut zu Fisch und Mezedes passt. Mantineia ist eine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung. Mehrere Weingüter an der Straße zwischen Tripoli und Vytina nehmen Besucher an.
Agiorgitiko aus Nemea
Nemea ist die größte Rotweinregion Griechenlands und liegt zwischen Korinth und Argos. Die Rebsorte Agiorgitiko liefert je nach Höhenlage weiche, fruchtige Weine bis zu tanninbetonten Gewächsen aus den höheren Lagen um Koutsi und Asprokambos. Der Anbau reicht nachweislich bis in die Antike zurück. Viele Betriebe im Tal bieten Verkostungen ohne Voranmeldung an.
Kultur und Geschichte der Peloponnes
Mykener und klassische AntikeDie Burgen von Mykene und Tiryns stammen aus der späten Bronzezeit und gehören gemeinsam zum UNESCO-Welterbe. Aus der klassischen Antike sind das Heiligtum von Olympia, das Theater im Asklepios-Heiligtum von Epidauros und die Stadt Messene erhalten, vom antiken Sparta ist dagegen wenig zu sehen.Byzantiner, Franken, Venezianer, OsmanenNach der römischen Zeit wechselten die Herrscher mehrfach. Die Ruinenstadt Mystras bei Sparta war im 14. und 15. Jahrhundert Hauptstadt des byzantinischen Despotats Morea und ist mit ihren Freskenkirchen UNESCO-Welterbe. Venezianer und Osmanen hinterließen die Festungen von Nafplio, Methoni, Koroni und Monemvasia.Unabhängigkeit und Gegenwart1821 begann auf der Peloponnes der griechische Unabhängigkeitskrieg, 1827 fiel in der Bucht von Navarino die Entscheidung. Nafplio war bis 1834 die erste Hauptstadt des modernen Griechenlands, dann zog der Hof nach Athen. Das religiöse Leben ist von der griechisch-orthodoxen Kirche geprägt, mit vielen Klöstern und Kapellen und den Festen zu Ostern und am 15. August.
Unterwegs auf der Peloponnes
Mietwagen als NormalfallOhne eigenes Fahrzeug wird die Peloponnes mühsam. Die Mautautobahn A7 (Moreas) verbindet Korinth, Tripoli und Kalamata, die A8 (Olympia Odos) führt von Athen nach Patras, von wo die Brücke von Rio nach Mittelgriechenland übersetzt. Für Strecken wie Nafplio nach Monemvasia oder die Fahrt in die Mani solltest du deutlich mehr Zeit einplanen, als die Kilometerzahl vermuten lässt, weil die Landstraßen kurvig sind und durch jedes Dorf führen. Im Bergland liegen die Tankstellen weit auseinander, tanke vor längeren Etappen voll.Bus und BahnDie regionalen KTEL-Busse bedienen von Athen aus alle größeren Orte, untereinander sind die Linien aber auf die jeweilige Bezirkshauptstadt ausgerichtet: Von Nafplio nach Kalamata fährst du meist über Tripoli. Der Vorortzug Proastiakos fährt von Athen über Korinth und Kiato bis Aigio. Vom früheren Schmalspurnetz sind noch die Zahnradbahn von Diakofto nach Kalavryta und der Vorortverkehr um Patras in Betrieb.FährenVon Kyllini gehen Fähren nach Zakynthos und Kefalonia, von Patras nach Italien, von Neapoli nach Kythira. In der Hochsaison sind Mietwagen knapp und teuer, buche früh.