Podlachien (Podlasie) liegt im äußersten Nordosten Polens an der Grenze zu Belarus. Hauptstadt der Woiwodschaft ist Białystok. Die Region ist seit Jahrhunderten von mehreren Kulturen geprägt: Neben der polnischen Mehrheit lebt hier die belarussische Minderheit, orthodoxe Kirchen stehen neben katholischen, und bis zum Zweiten Weltkrieg stellten Juden in vielen Städten einen großen Teil der Bevölkerung.
Für Reisende ist Podlachien vor allem ein Ziel für Naturerlebnisse. Im Südosten liegt der Białowieża-Wald mit seinen Wisenten, nordwestlich von Białystok das weite Moor- und Flusstal der Biebrza mit dem größten Nationalpark Polens. Dazwischen liegen kleine Städte wie Tykocin am Narew, deren Geschichte eng mit dem jüdischen Erbe der Region verbunden ist.
Ausgangspunkt für die meisten Reisen ist Białystok, die einzige Großstadt Podlachiens. Mit dem barocken Branicki-Palast, dem Kościuszko-Markt und der orthodoxen Nikolaikathedrale zeigt die Stadt ihre wechselvolle Geschichte. Hier wurde 1859 Ludwik Zamenhof geboren, der Begründer des Esperanto. Die Stadt ist per Schnellstraße S8 und Bahn mit Warschau verbunden.
Südöstlich von Białystok an der Grenze zu Belarus liegt der Białowieża-Nationalpark, 1932 gegründet und seit 1979 UNESCO-Welterbe. Der Wald gilt als letzter Tiefland-Urwald Europas. Das Wisent-Schaugehege und der Palastpark im Dorf Białowieża sind frei oder gegen Eintritt zugänglich, das ehemalige strenge Schutzgebiet nur mit Führer.
Nordwestlich von Białystok erstreckt sich das Tal der Biebrza mit dem 1993 gegründeten Biebrza-Nationalpark, der mit rund 592 Quadratkilometern größte Nationalpark Polens. Er ist Ramsar-Gebiet und Lebensraum von Elchen und seltenen Brutvögeln wie dem Seggenrohrsänger. Am Narew liegt die Kleinstadt Tykocin mit ihrer Großen Synagoge von 1642 und einem barocken Marktplatz. Zur regionalen Küche gehören Babka ziemniaczana und Kartacze, im nahen Supraśl findet jährlich eine Meisterschaft im Zubereiten der Babka statt.
Białystok ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien und mit rund 290.000 Einwohnern deren einzige Großstadt. Sie liegt nordöstlich von Warschau (Warszawa), nicht weit von der Grenze zu Belarus.
Entdecke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Nationalpark
Biebrza-Nationalpark
Der 1993 gegründete Nationalpark schützt auf rund 592 Quadratkilometern die ausgedehnten Niedermoore im Tal der Biebrza und ist der größte Nationalpark Polens. Seit 1995 ist er Ramsar-Gebiet. Typisch sind Elche, von denen hier rund 400 leben, sowie seltene Brutvögel wie Seggenrohrsänger, Kampfläufer und Doppelschnepfe. Erkunden lässt sich der Park per Kanu auf der Biebrza, auf rund 100 Kilometern Radwegen und auf Lehrpfaden wie Czerwone Bagno. Die Verwaltung sitzt in Osowiec-Twierdza.
Die Kleinstadt am Narew westlich von Białystok war bis zum Zweiten Weltkrieg etwa zur Hälfte jüdisch. Die Große Synagoge von 1642 beherbergt heute das Museum der jüdischen Kultur. Im Sommer 1941 wurden rund 1.400 jüdische Einwohner in den Wäldern bei Łopuchowo ermordet. Der Marktplatz wurde nach einem Brand 1656 barock neu gestaltet, auf ihm steht das 1763 von Jan Klemens Branicki in Auftrag gegebene Denkmal des Hetmans Stefan Czarniecki. Branicki ließ auch die Dreifaltigkeitskirche von 1742 bis 1749 errichten, von der Burg Sigismund Augusts sind Ruinen erhalten.