Zentralgriechenland, auf Griechisch Sterea Ellada, reicht vom Golf von Korinth über das Parnass-Massiv bis an den Malischen Golf. Zwischen dem Orakelheiligtum von Delphi, dem Engpass der Thermopylen und den Bergdörfern Evrytaniens liegt eine Landschaft, die viele Reisende auf dem Weg nach Norden nur durchqueren. Wer anhält, findet antike Stätten ohne Gedränge und ein Gebirge, das im Winter Schnee trägt.
Zentralgriechenland umfasst rund 15.500 Quadratkilometer und gliedert sich in die Bezirke Fthiotida, Fokida, Voiotia, Evrytania und Evia. Verwaltungssitz ist Lamia, die wichtigste Nord-Süd-Achse ist die Autobahn A1 zwischen Athen und Thessaloniki, die am Malischen Golf entlangführt. Im Zentrum erhebt sich der Parnass mit 2.457 Metern, an dessen Südhang Delphi und Arachova liegen; nach Westen schließt sich das dünn besiedelte Bergland Evrytaniens an. Die Küste am Golf von Korinth mit Galaxidi und Itea ist mild und im Sommer badetauglich, das Binnenland wird im Juli und August heiß und trocken. Von Dezember bis März fällt am Parnass Schnee, Arachova füllt sich dann mit Wochenendgästen aus Athen. Frühling und Herbst sind die verlässlichsten Reisezeiten: Die Ausgrabungen lassen sich begehen, ohne dass die Mittagshitze den Tagesablauf bestimmt.
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Galaxidi
Galaxidi ist eine kleine Hafenstadt an der Nordküste des Golfs von Korinth, rund 30 Kilometer südwestlich von Delphi. Im 19.
Delphi liegt am Südhang des Parnass, rund zweieinhalb Autostunden nordwestlich von Athen. In der Antike war das Heiligtum des Apollon mit seinem Orakel eines der wichtigsten Kultzentren Griechenlands, heute ist es UNESCO-Welterbe.
An den Thermopylen hielt 480 v. Chr. ein griechisches Aufgebot unter dem spartanischen König Leonidas das persische Heer des Xerxes drei Tage lang auf.
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Plateia Diakou in Lamia
Die Plateia Diakou ist einer der drei zentralen Plätze von Lamia und trägt den Namen von Athanasios Diakos. Der Freiheitskämpfer wurde im April 1821 an der Alamana-Brücke über den Spercheios bei den Thermopylen gefangen genommen und in Lamia hingerichtet. Sein Standbild steht am Rand des Platzes und zeigt ihn mit gezogenem Säbel.Rund um den Platz reihen sich Cafés und Tavernen, deren Tische am frühen Abend gefüllt sind. Lamia lebt nicht vom Tourismus, entsprechend hörst du hier fast ausschließlich Griechisch und zahlst Preise, die deutlich unter denen in Delphi oder Arachova liegen.Vom Platz sind es zu Fuß rund 15 Minuten bergauf zur Burg von Lamia. Die drei Plätze der Stadt, Plateia Diakou, Plateia Eleftherias und Plateia Laou, liegen dicht beieinander und lassen sich in einem Rundgang verbinden.
Das Volkskundemuseum von Fthiotida in Lamia sammelt das materielle Alltagsleben der Region aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Gezeigt werden Trachten aus den Dörfern am Parnass und in Evrytania, Webstühle, Haushaltsgerät und landwirtschaftliches Werkzeug aus einer Zeit, in der die Ebene von Lamia noch weitgehend von Hand bestellt wurde.Der Schwerpunkt liegt auf Textilien: handgewebte Decken, Stickereien und Trachtenteile, an denen sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Dörfern ablesen lassen. Die Sammlung ist überschaubar, für einen Rundgang reicht eine knappe Stunde.Das Museum liegt im Stadtzentrum, nahe der Burg, und lässt sich gut mit einem Gang durch die Altstadt verbinden. Die Beschriftungen sind überwiegend griechisch, einzelne Tafeln auch englisch.
Das Kloster Osios Loukas liegt an den Hängen des Helikon nahe Distomo und ist seit 1990 UNESCO-Weltkulturerbe. Es besteht aus zwei aneinandergebauten Kirchen: der kleineren Theotokos-Kirche aus der Mitte des 10. Jahrhunderts und dem größeren Katholikon, das meist auf 1011/1012 datiert wird.Die Goldmosaike im Katholikon zählen zu den am besten erhaltenen der sogenannten Makedonischen Renaissance der byzantinischen Kunst. Wo die Mosaike verloren gingen, treten Fresken an ihre Stelle. Verehrt wird hier das Grab des Eremiten Lukas von Steiris, nach dem das Kloster benannt ist, in der Krypta sind weitere Fresken erhalten.Von Delphi sind es rund 40 Kilometer über Arachova und Distomo, die letzten Kilometer führen über eine schmale Bergstraße. Der Innenraum ist dunkel, für die Mosaike lohnt sich ein Besuch bei Sonnenschein am Vormittag.
Der Parnass erreicht mit dem Gipfel Liakoura 2.457 Meter und ist seit 1938 als Nationalpark geschützt. In der Antike galt der Berg als Sitz der Musen, an seinem Südhang liegt das Heiligtum von Delphi.Der Kern des Parks ist von Tannenwald bedeckt, oberhalb der Baumgrenze folgen Karstflächen und Dolinen. Der Fernwanderweg E4 quert das Massiv, dazu kommen markierte Tagestouren, etwa von der Hochebene Livadi bei Arachova aus.Von Dezember bis März liegt Schnee, dann ist das Skizentrum mit den Bereichen Kelaria und Fterolakka auf rund 1.600 bis 2.250 Metern in Betrieb, das größte Griechenlands. Im Sommer ist es oben spürbar kühler als in der Ebene, Wetterumschwünge kommen schnell und die Gipfelregion bietet kaum Schutz.
Die Burg von Lamia steht auf dem Hügel über der Stadt und zeigt in ihren Mauern die Schichten von rund zwei Jahrtausenden: antike Quader aus der Zeit, als Lamia eine befestigte Stadt der Malier war, darüber byzantinische, katalanische und osmanische Ergänzungen.Von den Mauern reicht der Blick über die Ebene des Spercheios bis zum Malischen Golf und zu den Bergen der Othrys. Bei klarer Sicht erkennst du die Linie, an der die Küste im Altertum verlief: Der Fluss hat die Ebene seither um mehrere Kilometer ins Meer hinaus verlängert, weshalb der Engpass der Thermopylen heute landeinwärts liegt.Auf dem Burggelände befindet sich das Archäologische Museum von Lamia in einer ehemaligen Kaserne aus der Zeit König Ottos. Der Aufstieg vom Stadtzentrum dauert zu Fuß etwa 20 Minuten.
Karpenisi ist die Hauptstadt von Evrytania und liegt auf rund 960 Metern in einem Talkessel unter dem Velouchi, der 2.315 Meter erreicht. Der Bezirk gilt als der am dünnsten besiedelte Teil des griechischen Festlands, die Dörfer ringsum zählen oft nur wenige hundert Einwohner.Die Landschaft besteht aus Tannenwald, Schluchten und Steindörfern wie Mikro und Megalo Chorio im Karpenisiotis-Tal. Sehenswert ist das Kloster Prousos in einer Felswand südlich der Stadt, das eine Ikone bewahrt, die der Überlieferung nach im 9. Jahrhundert aus Prusa nach Griechenland gebracht wurde.Im Winter ist am Velouchi ein kleines Skizentrum in Betrieb, im Sommer wird gewandert und auf dem Karpenisiotis Rafting angeboten. Von Lamia rechnest du mit gut eineinhalb Stunden Fahrt über eine kurvenreiche Bergstraße.
Die Kouzina Papanagiotou in der Frantzi im Süden von Lamia gehört zum Typ der griechischen Kouzina: Lokale, die gekochte Tagesgerichte aus Topf und Ofen anbieten, im Unterschied zu Grill- oder Fischtavernen. Das Angebot wechselt entsprechend mit dem Tag.
Tsak ist ein Grilllokal im Zentrum von Lamia, das sich auf Hähnchen spezialisiert hat, wie der Zusatz Psita Kotopoula, gegrillte Hähnchen, im Namen sagt. Solche Lokale sind in Griechenland eine eigene Kategorie zwischen Imbiss und Taverne.
Das Coyote ist ein Gastropub in der Athanasiou Diakou im Zentrum von Lamia, nahe der Plateia Diakou. Das Bierangebot steht im Mittelpunkt, die Speisen werden als Begleitung dazu serviert.
Die Küche der Region ist Bergküche: viel Fleisch, Hülsenfrüchte, Schafskäse und Wildkräuter, dazu an der Küste des Golfs von Korinth Fisch. Das Olivenöl stammt aus dem weiten Olivenhain unterhalb von Delphi, der sich von Amfissa bis ans Meer bei Itea zieht.
Amfissa-Oliven
Die großen, runden Oliven aus der Ebene unterhalb von Delphi tragen eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Sie werden dunkel und mild eingelegt und stehen in den Tavernen der Umgebung meist ungefragt auf dem Tisch.
Formaella aus Arachova
Ein fester Schaf- und Ziegenkäse aus Arachova mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Serviert wird er üblicherweise in Scheiben gebraten, auf der Karte findest du ihn als saganaki.
Lamm und Ziege vom Spieß
Im Bergland wird Lamm und Ziege über Holzkohle gegart, kokoretsi aus Innereien gehört vor allem zu Ostern dazu. Viele Tavernen in Evrytania und am Parnass bereiten beides das ganze Jahr zu.
Fisch am Golf von Korinth
In Galaxidi und Itea kommen gegrillter Fisch, Tintenfisch und Gavros auf den Tisch, oft direkt an der Uferpromenade. Abgerechnet wird nach Tagesfang und Gewicht, lass dir den Fisch vor dem Grillen zeigen.
Tsipouro
Der Tresterbrand wird zum Essen getrunken und im Bergland meist ohne Anis gebrannt. In Tavernen kommt er in kleinen Karaffen auf den Tisch, häufig mit ein paar Mezedes dazu.
Geschichte und Kultur
Antike StättenAm Südhang des Parnass liegt Delphi, das Heiligtum des Apollon mit dem Orakel, das die Griechen als Mittelpunkt der Welt ansahen und das heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Weiter nördlich führt die Straße nach Lamia an den Thermopylen vorbei, wo 480 v. Chr. Leonidas mit seinen Verbündeten das persische Heer aufhielt. In Böotien lagen mit Theben und Orchomenos weitere bedeutende Städte der Antike.Byzanz und FremdherrschaftDas Kloster Osios Loukas bei Distomo mit seinen Mosaiken aus dem frühen 11. Jahrhundert ist seit 1990 Welterbe. Im Mittelalter wechselten die Herren häufig, auf der Burg von Lamia etwa lassen sich byzantinische, katalanische und osmanische Bauphasen unterscheiden. Danach folgten Jahrhunderte osmanischer Herrschaft.Unabhängigkeitskrieg und BräucheIm Unabhängigkeitskrieg ab 1821 war die Region Schauplatz zahlreicher Kämpfe. Athanasios Diakos wurde 1821 an der Alamana-Brücke bei den Thermopylen gefangen genommen und in Lamia hingerichtet, 1826 schlug Georgios Karaiskakis die Osmanen bei Arachova. In den Bergdörfern von Parnass und Evrytania leben Weberei, Käseherstellung und die Feste der Kirchenpatrone bis heute fort.
Unterwegs in Zentralgriechenland
Mit dem AutoDie Region erschließt sich am besten mit einem Mietwagen. Die Autobahn A1 verbindet Athen über Lamia mit Thessaloniki, der Weg nach Delphi führt über die A3 und die Nationalstraße bei Livadia. Von Athen nach Delphi brauchst du etwa zweieinhalb Stunden, nach Lamia knapp zwei. Die Straßen nach Karpenisi und durch Evrytania sind asphaltiert, aber eng und kurvenreich; für 100 Kilometer im Bergland solltest du eher zwei Stunden einplanen. Im Winter kann am Parnass Schneekettenpflicht gelten, Tankstellen sind im Bergland dünn gesät.Bus und BahnKTEL-Busse fahren von Athen mehrmals täglich nach Delphi, Arachova, Lamia und Karpenisi, die Linie nach Delphi startet am Busbahnhof Liosion. Innerhalb der Region werden die Verbindungen schnell dünn: Zwischen Nachbarorten verkehren oft nur ein bis zwei Busse am Tag, sonntags teils gar keine. Die Bahnlinie von Athen nach Thessaloniki hält in Lamia und Livadia, die Bahnhöfe liegen jedoch mehrere Kilometer außerhalb der Städte. Ohne eigenes Fahrzeug lassen sich Delphi, Arachova und Galaxidi gut zu einer Route verbinden, abgelegene Bergdörfer dagegen kaum.