Attika ist die Halbinsel rund um Athen und mit knapp vier Millionen Einwohnern die mit Abstand bevölkerungsreichste Region Griechenlands. Hier liegen die Akropolis und die großen Museen der Hauptstadt, aber auch Heiligtümer wie Eleusis, Brauron und Rhamnous, die nur wenige Besucher sehen.Wer ein paar Tage über Athen hinaus einplant, findet an der Küste Badebuchten und den Poseidontempel von Sounion, im Norden das Schlachtfeld von Marathon und mit dem Parnitha ein bewaldetes Bergland, das von der Stadt aus in weniger als einer Stunde erreichbar ist.
Die Region Attika umfasst rund 3.800 Quadratkilometer. Athen und Piräus füllen das Becken zwischen den Bergen Parnitha, Penteli, Hymettos und Aigaleo, ringsum liegen die Landschaften, aus denen die Ausflüge bestehen.Im Westen führt die Straße an Eleusis vorbei Richtung Megara und Korinth. Östlich des Hymettos liegt die Mesogeia-Ebene mit dem Flughafen sowie den Fährhäfen Rafina und Lavrio. Nach Süden zieht sich die Küste der Athener Riviera mit Vouliagmeni und Varkiza bis zum Kap Sounion, im Nordosten liegen Marathon und Rhamnous am Golf von Euböa. Verwaltungsmäßig gehören auch die Saronischen Inseln wie Ägina, Hydra und Poros zu Attika. Im Juli und August wird es im Athener Becken sehr heiß, Frühling und Herbst sind für Besichtigungen angenehmer.
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Athen
Athen ist eine Stadt, die ihre 3.400 Jahre nicht im Museum aufbewahrt, sondern im Alltag trägt: Unter der Akropolis liegen Viertel voller Tavernen, Plattenläden und Dachterrassenbars. Wer nur die Antike sucht, bleibt zwei Tage.
Kap Sounion ist die Südspitze Attikas, und auf seiner Klippe steht der Tempel des Poseidon, erbaut zwischen 444 und 440 v. Chr. Von den ursprünglich 34 dorischen Säulen stehen noch 15, fast 60 Meter über dem Meer.
Entdecke die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Akropolis
Auf dem Felsen über Athen stehen die Bauten, die im 5. Jahrhundert vor Christus unter Perikles entstanden: Parthenon, Propyläen, Erechtheion mit der Korenhalle und der kleine Tempel der Athena Nike. Die Anlage ist seit den 1970er Jahren eine Dauerbaustelle, weil frühere Restaurierungen mit Eisenklammern den Marmor gesprengt haben. Die Originale der Karyatiden und der Friesplatten stehen im Akropolismuseum am Südhang. Auf dem Felsen gibt es keinen Schatten, im Sommer schließt die Stätte mittags bei Hitzewarnung.
Das Kloster Daphni liegt an der antiken Heiligen Straße nach Eleusis, heute an einer Ausfallstraße im Westen Athens. Die Kuppelkirche aus dem 11. Jahrhundert trägt Mosaiken, die zu den bedeutendsten der mittelbyzantinischen Kunst zählen, allen voran der Christus Pantokrator in der Kuppel. Das Erdbeben von 1999 beschädigte den Bau schwer, die Restaurierung zog sich über zwei Jahrzehnte. Das Kloster gehört zum UNESCO-Welterbe, die Öffnungszeiten sind begrenzt und sollten vorher geprüft werden.
In Eleusis, rund 20 Kilometer westlich von Athen, wurden fast zweitausend Jahre lang die Eleusinischen Mysterien gefeiert, ein Initiationskult um Demeter und Persephone. Erhalten sind die Fundamente des Telesterions, die Propyläen und ein Museum mit Funden der Grabung. Die Stätte liegt heute zwischen Werften und Raffinerien, was den Kontrast zwischen antiker und industrieller Schicht sichtbar macht. Elefsina war 2023 Kulturhauptstadt Europas, seither ist der Ort besser erschlossen.
Brauron an der Ostküste war eines der wichtigsten Artemis-Heiligtümer Attikas. Mädchen aus Athen verbrachten hier als Arktoi, wörtlich Bärinnen, eine Zeit im Dienst der Göttin, bevor sie ins Erwachsenenalter übergingen. Zu sehen sind die dorische Säulenhalle, eine Steinbrücke aus klassischer Zeit und das Museum mit den Statuen der Mädchen. Das Gelände liegt in einer Feuchtwiese mit Vogelbestand und ist selten besucht, vom Flughafen sind es nur wenige Kilometer.
Rhamnous liegt an der Nordostküste Attikas über dem Golf von Euböa und ist eine der vollständigsten erhaltenen antiken Kleinstädte der Region. Zum Gelände gehören das Heiligtum der Nemesis mit zwei Tempeln, eine Festung mit Toranlage und die Gräberstraße davor. Die Anlage liegt in Pinienwald abseits jeder Siedlung, Besucher sind selten. Von Marathon sind es rund 15 Kilometer, öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht bis dorthin.
Der See von Vouliagmeni an der Attischen Riviera ist ein eingestürzter Karsthöhlenraum, der über unterirdische Gänge mit dem Meer verbunden ist. Das Brackwasser wird aus der Tiefe gespeist und ist meist zwischen 21 und 24 Grad warm, unter 18 Grad sinkt die Temperatur nicht. Der Zugang ist kostenpflichtig und organisiert, mit Liegen, Umkleiden und einem Café unter der Felswand. Von Athen sind es rund 25 Kilometer die Küstenstraße entlang, der Bus hält an der Straße oberhalb.
Fischrestaurant des Kochs Lefteris Lazarou am Jachthafen Mikrolimano in Piräus, im Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Die Küche arbeitet fast ausschließlich mit Fisch und Meeresfrüchten aus griechischen Gewässern und interpretiert klassische Rezepte neu. Die Tische stehen direkt am Wasser.
Attika kocht städtisch und maritim zugleich: In Athen treffen kleinasiatische, kykladische und kretische Einflüsse aufeinander, an der Küste dominiert Fisch. Dazu kommt ein Weinbaugebiet, das lange unterschätzt wurde.
Retsina und die Rückkehr des Savatiano
Die Mesogeia-Ebene östlich von Athen ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Griechenlands. Lange stand sie nur für einfachen Retsina, heute arbeiten mehrere Güter mit alten Savatiano-Reben und keltern trockene Weißweine, die es auf internationale Karten geschafft haben.
Fisch an der Riviera
Zwischen Piräus, Vouliagmeni und Lavrio reihen sich Fischtavernen am Wasser. Bestellt wird nach Tagesfang und Kilopreis, beides solltest du vor dem Bestellen erfragen. In den Fischerhäfen Mikrolimano und Varkiza ist die Auswahl am größten.
Mezedes in der Stadt
Die athenische Art zu essen: mehrere kleine Teller für den Tisch, dazu Ouzo oder Tsipouro. Typisch sind Taramosalata, gegrillter Oktopus, Saganaki und gefüllte Weinblätter. Gegessen wird spät, vor 21 Uhr sind die Lokale halb leer.
Pistazien aus Aigina
Die Insel im Saronischen Golf, eine knappe Fährstunde von Piräus, produziert Pistazien mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Sie sind kleiner und aromatischer als die üblichen Importe und werden am Hafen frisch geröstet verkauft.
Geschichte und Kultur
AntikeAttika war das Territorium des antiken Stadtstaats Athen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden unter Perikles die Bauten der Akropolis mit dem Parthenon, heute UNESCO-Welterbe. Über die Halbinsel verteilt lagen Heiligtümer und befestigte Demen: Eleusis mit den Mysterien von Demeter und Persephone, Brauron mit dem Kult der Artemis, Sounion mit dem Poseidontempel und Rhamnous mit dem Heiligtum der Nemesis.Byzanz und NeuzeitAus byzantinischer Zeit stammt das Kloster Daphni mit seinen Mosaiken aus dem 11. Jahrhundert, ebenfalls Welterbe. Nach der Unabhängigkeit wurde Athen 1834 Hauptstadt des neuen griechischen Staates, aus dieser Zeit stammen viele klassizistische Bauten im Zentrum.GegenwartHeute konzentrieren sich in Attika die meisten großen Museen, Theater und Universitäten des Landes. Eleusis war 2023 Kulturhauptstadt Europas, im Sommer finden im antiken Odeon des Herodes Atticus am Akropolishang Aufführungen des Athens Festival statt.
Vor Ort unterwegs
Von Athen in die RegionFast jede Fahrt in Attika beginnt in Athen. Die Metro reicht bis zum Flughafen und zum Fährhafen Piräus, die Vorortbahn Proastiakos fährt zusätzlich Richtung Korinth und Chalkida. Ziele außerhalb des Ballungsraums wie Sounion, Marathon, Rafina oder Lavrio erreichst du mit den orangefarbenen Bussen von KTEL Attikis. Deren Abfahrtsorte im Zentrum haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert, prüfe sie deshalb vorab auf der Seite des Betreibers. Vom Zentrum bis zum Kap Sounion sind es rund 70 Kilometer.Mit dem Auto und per FähreEin Mietwagen lohnt sich für die Küstenstraße entlang der Athener Riviera und für das bergige Hinterland um Parnitha und Penteli. In der Innenstadt Athens ist er eher hinderlich, dort gilt zeitweise eine Zufahrtsbeschränkung und Parkplätze sind knapp. Von Piräus, Rafina und Lavrio starten Fähren auf die Kykladen, wobei Rafina für Andros, Tinos und Mykonos meist die schnellere Wahl ist.